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E-Mobilitätsservices an Handelsstandorten können eine Chance sein, die es zu nutzen gilt

Wir haben die Chance gehabt und sind mit Olaf Schulze, Director Energy Management / Real Estate Sustainability bei der METRO PROPERTIES, ein Tochterunternehmen der METRO AG, das sich um alle Immobilien des Konzerns kümmert, ins Gespräch gekommen. Olaf Schulze erklärt uns, warum E-Mobilitätsservices zum Handelsstandort der Zukunft dazu gehören und warum die Automobilbranche die Chancen, die die Handelsstandorte bieten, noch nicht genutzt hat.

htb: Erklären Sie uns bitte kurz, welche Rolle Sie innerhalb der METRO AG einnehmen und welcher Mission die METRO PROPERTIES Holding GmbH folgt?

OS: Die METRO PROPERTIES ist das Tochterunternehmen der METRO AG, das sich um die Bewirtschaftung der METRO Immobilien europaweit kümmert. Ich bin Leiter des Energiemanagements und seit über 15 Jahren in dieser Funktion. Gemeinsam mit meinem Team kümmere ich mich um Energiebeschaffung für unser internationales Großhandelsunternehmen. Dabei achten wir auf Energieeffizienz, vor allem bei unseren Kälteanlagen, das „Carbon Accounting“, den Einsatz erneuerbarer Energien und die dezentrale Energieerzeugung. Zusätzlich verantworte ich das Mobilitätskonzept der METRO AG, zu dem auch die Infrastrukturen gehören, die es für wachsende E-Mobilität braucht. Jede Mobilität, ob elektrisch oder konventionell, ob Dienstfahrt, Fahrt zum METRO Markt oder Logistik, erzeugt Emissionen und das schaue ich mir an. Das macht Laune und ich habe ein starkes Team an meiner Seite – im Headquarter, aber auch in den Stores, denn die Umsetzung vieler Aktivitäten passiert letztlich vor Ort.

htb: Welcher Strategie folgt die METRO AG? Wen wollen Sie mit Ihren E-Mobilitätsservices ansprechen?

OS: Das Thema E-Mobilität verfolgen wir schon seit dem Jahr 2012, denn da haben wir den ersten Ladepunkt am Düsseldorfer Headquarter installiert. Mittlerweile sind es allein am METRO Campus rund 100 Ladepunkte, 10 davon für E-Bikes. Europaweit wollen wir bis 2030 1.000 Ladepunkte anbieten. Damit tragen wir unseren Teil dazu bei, alternative, klimafreundliche Antriebe zu fördern. Die Infrastruktur steht unseren Mitarbeiter:innen und Kund:innen als zusätzlicher Service kostenfrei zur Verfügung. Als Gründungsmitglied der Initiative EV100 engagieren wir uns für den Ausbau der Elektromobilität – als Teil unserer unternehmenseigenen Klimaschutzstrategie, aber auch, weil es dazu beiträgt, die Lebens- und Luftqualität in urbanen Regionen, dort, wo viele unserer professionellen Kund:innen ihre Gäste bewirten, nachhaltig zu verbessern. Bis 2040 wollen wir unseren Geschäftsbetrieb bei METRO klimaneutral stellen – überwiegend aus eigener Anstrengung. Unsere wichtigsten Hebel dabei sind Energie, Kälte und Wärme, die zusammen für 93 % unserer CO2-Emissionen verantwortlich sind. Die Mobilität unserer Mitarbeiter:innen und Kund:innen zahlt aber auch darauf ein und deswegen fördern wir mit einer entsprechenden Richtlinie, dass mit der wachsenden Anzahl an Ladesäulen auch der Anteil an E-Autos in unserer Dienstwagenflotte steigt. Unsere Lieferlogistik stellt uns da noch einmal vor andere Herausforderungen, denn während wir im Van-Bereich durchaus auch schon erfolgreich Elektromobilität testen, fehlt es bei den Schwerladern über 7,5 Tonnen und vor allem bei den für uns so wichtigen Kühltrucks an effizient zu nutzenden Alternativantrieben.

htb: Wie sieht denn Ihrer Meinung nach der Handelsstandort der Zukunft aus und welchen Anteil hat die E-Mobilität daran?

OS: In unseren Augen ist der Großhandelsstandort der Zukunft ein Standort, der so nah am Kunden ist wie möglich, der physisch vorhanden und im höchsten Maße effizient ist. Unser Standort der Zukunft ist ein Zero-Emission-Store, der klimaneutral betrieben wird und dessen Stromverbrauch wir selbst regenerativ erzeugen. Ein Store, zu dem unsere Kund:innen ohne Emissionen kommen, weil Sie elektrisch fahren und ihr Auto während ihrer Einkaufszeit laden können. Unseren ersten auf Netto-Null-Emissionen ausgelegten Store haben wir 2016 im österreichischen St. Pölten eröffnet. Den haben wir schon zum damaligen Zeitpunkt mit zehn Ladepunkten ausgestattet und für weitere Ladepunkte vorverkabelt, sodass wir auf schnell ansteigenden Bedarf reagieren können.

htb: Wenn E-Mobilität also ein wichtiger Faktor eines Handelsstandort der Zukunft ist, wie schaut es denn aktuell bei der METRO AG mit der Implementierung der E-Mobilität aus. Können Sie uns einen Status quo geben?

OS: Was unsere Flotte angeht, haben wir bereits knapp 300 E-Fahrzeuge in Deutschland, Frankreich, Österreich und anderen Ländern, weitere 50 sind bestellt, damit fährt bereits ein Fünftel unserer Dienstwagenflotte elektrisch. Allerdings müssen wir noch so lange auch immer einen Anteil von Verbrennern im Einsatz haben, bis E-Mobilität prozesssicher und vor allem leistbar ist – und das wird vermutlich noch eine Weile dauern. Dennoch werden alle Managementfahrzeuge schon bald komplett elektrisch sein, denn wir bieten an allen Verwaltungsstandorten der METRO entsprechende Ladeinfrastruktur an. Das sind allein in Deutschland schon über 100 Ladepunkte. Vor allem im osteuropäischen Raum sind wir mit der von uns verwendeten und angebotenen E-Mobilitätstechnologie echte Pioniere: Wir haben alle Stores in Polen und in Ungarn sowie demnächst Stores in der Slowakei, alle fünf Stores in Bukarest, acht von 11 Stores in Bulgarien sowie alle drei Stores in Moldawien mit Ladeinfrastruktur ausgestattet.

In den restlichen Teilen Europas – können wir sicherstellen, dass unsere eigene Infrastruktur und elektrische Flotte prozesssicher betrieben werden kann. Im Headquarter in Paris bauen wir gerade 30 Ladepunkte auf. Aktuell liegt mein Fokus auf den Planungen für unseren neuen Zero-Emission-Store in Düsseldorf. Dort werden wir auch in Ladeinfrastruktur investieren.

htb: Welche Faktoren gelten für Sie als Treiber der elektrischen Transformation der Handelsbranche?

OS: Man darf nicht naiv sein: Die europäische „Energy Performance of Buildings Directive“ und die einzelnen Maßnahmen in den Ländern haben dem Thema erst den notwendigen Auftrieb gegeben. Bei METRO ist es nicht nur die Direktive, sondern auch unsere eigene Klimaschutzstrategie, die unser Handeln antreibt. Wir haben bereits heute weltweit mehr als 500 installierte Ladepunkte – nicht nur, weil wir ab 2025 „liefern“ müssen, sondern weil wir auch den Mehrwert sehen – für unsere Kund:innen und Mitarbeiter:innen sowie für die zwingend notwendige Reduktion der Emissionen im Verkehrssektor.

htb: Welches Geschäftsmodell bestimmt den Betrieb der Ladeinfrastruktur bei METRO? Haben Sie in eigene Ladeinfrastruktur investiert oder haben Sie Ihre Parkflächen an einen Ladeinfrastrukturbetreiber vermietet?

OS: Wir sehen den eigenen Betrieb von Ladeinfrastruktur nicht als Business. METRO ist ein internationaler Großhandelsspezialist, der für seine professionellen Kund:innen gerne die Extrameile geht und besondere Services anbietet. Für die Bereitstellung von Ladeinfrastruktur bedeutet das, wir suchen uns Partner, die ähnlich wie wir ticken, aber wahre Spezialisten in Betrieb und Abrechnung sowie Wartung von Ladeinfrastruktur sind. In allen Ländern, wo wir bereits vollständig mit Ladeinfrastruktur ausgestattet sind, haben wir erfolgreiche Partnerschaften gestartet. In Deutschland hingegen ist es deutlich schwieriger, Partner für innovative und lösungsorientierte Kooperationen zu finden.

„Wir erwarten nicht, mit E-Mobilität Geld zu machen.“

htb: Wer ist verantwortlich für den Ladeinfrastrukturaufbau?

OS: Eigentlich ist es zunächst einmal die Automobilindustrie, die diese Verantwortung auch annehmen muss, denn mit dem reinen Verkauf von E-Fahrzeugen ist es nicht getan. Hohe Absatzzahlen von E-Fahrzeugen bringen nichts, wenn die Ladeinfrastruktur noch so hinterherhinkt, dass Endverbraucher:innen gar nicht flächendeckend laden können. Ich wünsche mir, dass die Automobilindustrie also erkennt, dass der Handel mit seinen Parkflächen und der Verweildauer beim Einkaufen eine Chance bietet. Wie auch die METRO sollten aber auch andere Unternehmen Ladeinfrastruktur für ihre Mitarbeiter anbieten. Die passenden Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen durch Unternehmen müssen allerdings vom Gesetzgeber festgelegt und entsprechende Anreize und Förderprogramme für Unternehmen geschaffen werden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat Ende 2019 die nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur geschaffen, um die verschiedenen Förderprogramme von Bund und Ländern besser miteinander zu verknüpfen.

Weitere Aufgaben der Leitstelle sind die Bedarfsrechnung, Planung und der koordinierte Aufbau eines deutschlandweiten Schnellladenetzes sowie die Unterstützung der Kommunen bei der Planung und Umsetzung des Ladeinfrastrukturaufbaus. Auf europäischer Ebene gibt es jetzt den europäischen Aufbauplan mit Investitionen vor allem in die Bereiche Digitalisierung und Nachhaltigkeit in Höhe von 800 Milliarden Euro. Diese Fördergelder sollten auch für den Ausbau der Ladeinfrastruktur nutzbar gemacht werden.

htb: Was sind einige der Herausforderungen beim Aufbau der Ladeinfrastruktur an Ihren Standorten?

OS: Da der Ladeinfrastrukturbetrieb sehr komplex ist, verfolgen wir vorrangig das Modell, das wir den Betrieb von Ladeinfrastruktur an den Stores auslagern bzw. unsere Flächen an Infrastrukturbetreiber vermieten.

Wir haben verschiedene Kooperationsmodelle, die wir mit den Infrastrukturbetreibern partnerschaftlich aushandeln. Grundsätzlich ist es für uns wichtig, dass der Kundenservice auch an den Ladepunkten stimmt, denn das beste Einkaufserlebnis wird zunichtegemacht, wenn der Ladevorgang draußen nicht funktioniert.

htb: Haben Sie denn schon einen Weg gefunden auf die Eigentümer:innen zuzugehen und über die E-Mobilität zu sprechen?

OS: Wir haben die METRO E-Mobilitätsinitiative gestartet, wo wir ebenfalls partnerschaftlich mit den Eigentümern der Grundstücke, die wir anmieten, ins Gespräch kommen. Durch das GEIG (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz) sind seit März 2021 eigentlich die Eigentümer in der Verantwortung, Ladeinfrastruktur bereitzustellen. Wir betrachten das für unsere Stores aber eher als eine Teamleistung, von der am Ende unsere Kund:innen profitieren und haben deswegen tausend Ideen, um mit unseren Partnern gemeinsam verschiedenste Modelle aufzusetzen. Unterm Strich bleibt unsere Kernkompetenz aber der Großhandel und Ladeinfrastruktur lediglich ein Zusatzangebot für unsere Kund:innen.

htb: Was für eine Schlagzeile würden Sie in Zukunft gerne als Headline in gängigen Branchenmedien lesen wollen?

OS: METRO schafft E-Mobilitäts-Meilenstein: Alle Stores in der EU mit Ladepunkten ausgerüstet, Dienstwagenflotte vollständig elektrifiziert

htb: Welche drei Begriffe fallen Ihnen bei Mobilität der Zukunft ein?

OS: Sauber. Kostengünstig. Digitalisiert.

Dieses Interview führte Sabrina Wurzer, PR & Marketing Managerin bei der has·to·be gmbh am 12. Juli 2021

Über METRO PROPERTIES

METRO PROPERTIES ist das Immobilienunternehmen der METRO AG, einem führenden internationalen Großhandels- und Lebensmittelexperten mit weltweit mehr als 97.000 Mitarbeitern und Aktivitäten in 34 Ländern. Das Immobilienunternehmen vereint umfassende Groß- und Einzelhandelskompetenz, hochentwickelte Immobilienkompetenz und Implementierungsfähigkeit. METRO PROPERTIES arbeitet mit lokalen Gemeinden, Geschäftspartnern und ausgewählten Investoren zusammen, um innovative und nachhaltige Konzepte für den Großhandel, den Einzelhandel und gemischte Nutzungsmodelle zu entwickeln. Sowohl national als auch international verfolgt METRO PROPERTIES ein aktives und wertsteigerndes Immobilienmanagement. Geschäftspartner und Kunden erhalten weltweit kompetente Betreuung. Neben dem Hauptsitz in Deutschland ist das Unternehmen mit Standorten in Polen und der Türkei präsent. In anderen Ländern ist das Unternehmen durch das regionale Management und das METRO Team vertreten.

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